Partnersuche beim Menschen: was die Forschung gemessen hat

Menschen können recht genau sagen, was sie suchen. Vorhersagen lässt sich damit erstaunlich wenig.

Die Forschung zur menschlichen Partnerwahl stützte sich lange vor allem auf Befragungen. Am bekanntesten ist David Buss' Studie von 1989 mit 10.047 Befragten aus 37 Stichproben in 33 Ländern. Frauen legten im Schnitt mehr Wert auf Hinweise zu Ressourcen, Männer mehr auf Merkmale wie Jugend und Aussehen.

Gesagt ist nicht gefunden

Eastwick und Finkel prüften 2008 mit Speed-Dating, ob das auch für echte Begegnungen gilt. Beim Beantworten der Fragebögen zeigten sich die gewohnten Geschlechtsunterschiede. Beim tatsächlichen Interesse an Menschen, die die Teilnehmenden getroffen hatten, verschwanden sie: Aussehen und Einkommensaussichten wirkten bei Männern und Frauen ähnlich. Die zuvor angegebenen Vorlieben sagten nicht voraus, wer später anziehend gefunden wurde.

Joel, Eastwick und Finkel gingen 2017 weiter. Sie gaben einem Lernverfahren mehr als 100 Selbstauskünfte zu Eigenschaften und Vorlieben. Es konnte teils vorhersagen, wer generell andere begehrt (4 bis 18 Prozent der Varianz) und wer begehrt wird (7 bis 27 Prozent). Die eigentlich spannende Frage, wer gerade dieses Gegenüber begehrt, ließ sich damit nicht vorhersagen.

Wo sich Paare heute finden

Rosenfeld, Thomas und Hausen werteten 2019 eine repräsentative US-Befragung von 2017 aus. Rund 39 Prozent der heterosexuellen Paare hatten sich online kennengelernt, 2009 waren es noch rund 22 Prozent. Um 2013 überholte das Internet den Freundeskreis als häufigsten Weg. Für Deutschland lässt sich der Wert nicht einfach übernehmen. In Schweizer Daten von 2018 fand Gina Potârcă bei Paaren aus Dating-Apps im Allgemeinen keine Unterschiede bei Beziehungszufriedenheit und Wohlbefinden, dafür stärkere Absichten zum Zusammenziehen als bei Paaren, die sich außerhalb des Netzes kennengelernt hatten.

Das Muster in den Daten

Bruch und Newman analysierten 2018 Nachrichten in einem großen Online-Dienst in vier US-Städten. Im Schnitt schrieben Männer wie Frauen Menschen an, die nach dem verwendeten Maß rund 25 Prozent begehrter waren als sie selbst. Die Chance auf eine Antwort sank mit wachsendem Abstand.

Eine ausführliche Übersicht von Finkel und Kollegen kam 2012 zu dem Schluss, dass der Zugang zu vielen Menschen ein echter Vorteil des Online-Datings ist, während es keine überzeugenden Belege dafür gibt, dass Abgleichsalgorithmen langfristig passendere Paare erzeugen. Die Vergleiche mit Tieren enden hier: Menschen wählen unter sozialen und kulturellen Bedingungen, und aus der Balz anderer Arten folgt dafür keine Handlungsanweisung.

Von der Redaktion

Quellen

  1. Buss (1989): Sex differences in human mate preferences. Behavioral and Brain Sciences 12. doi:10.1017/s0140525x00023992
  2. Eastwick, Finkel (2008): Sex differences in mate preferences revisited. Journal of Personality and Social Psychology 94. doi:10.1037/0022-3514.94.2.245
  3. Joel, Eastwick, Finkel (2017): Is Romantic Desire Predictable? Psychological Science 28, 1478 bis 1489. doi:10.1177/0956797617714580
  4. Rosenfeld, Thomas, Hausen (2019): Disintermediating your friends. PNAS 116, 17753 bis 17758. doi:10.1073/pnas.1908630116
  5. Potârcă (2020): The demography of swiping right. PLoS ONE 15. doi:10.1371/journal.pone.0243733
  6. Bruch, Newman (2018): Aspirational pursuit of mates in online dating markets. Science Advances 4. doi:10.1126/sciadv.aap9815
  7. Finkel et al. (2012): Online Dating: A Critical Analysis From the Perspective of Psychological Science. Psychological Science in the Public Interest 13. doi:10.1177/1529100612436522

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