Balz: was Tiere vor der Paarung aufführen
Haubentaucher tanzen, Laubenvögel dekorieren. Bevor sich Tiere paaren, findet oft ein erstaunlicher Aufwand statt.

Charles Darwin beschäftigte die Frage bereits 1871 in The Descent of Man: Warum gibt es Merkmale und Verhalten, die dem Überleben nicht nützen, ja sogar Kosten verursachen? Seine Antwort war die sexuelle Selektion. Merkmale können sich durchsetzen, weil sie den Fortpflanzungserfolg steigern.
Der Tanz der Haubentaucher
Ein frühes Stück moderner Verhaltensforschung erschien 1914: Julian Huxley beschrieb die Balz des Haubentauchers auf einem Stausee bei Tring in England. Die Vögel richten sich auf dem Wasser einander zugewandt auf, schütteln die Köpfe und bieten sich Wasserpflanzen an. Auffällig dabei: Beide Partner nehmen teil. Balz ist also nicht in jedem Fall eine Vorführung eines Männchens vor einem wählerischen Weibchen.
Die Lauben der Laubenvögel
Männliche Seidenlaubenvögel bauen aus Zweigen eine Laube und schmücken sie mit Gegenständen. Gerald Borgia untersuchte 1985 experimentell den Zusammenhang zwischen Laubenqualität, Zahl der Dekorationen und Paarungserfolg. Die Laube ist insofern ungewöhnlich, als sie außerhalb des Körpers liegt: Hier wird gewissermaßen ein Bauwerk beurteilt.

Warum der Aufwand?
Dazu gibt es mehrere Erklärungen, die sich nicht ausschließen. Amotz Zahavi schlug 1975 das Handicap-Prinzip vor: Ein kostspieliges Signal sei gerade deshalb glaubwürdig, weil sich nur leistungsfähige Tiere es leisten können. Welche Eigenschaften die Wahl dabei tatsächlich steuert, wird auf der Seite zur Partnerwahl behandelt.
Für die Technik ist das Thema nur am Rande relevant. Es gehört aber zu der Biologie, ohne die Bionik nicht denkbar ist: Viele auffällige Strukturen der Natur, von Federfarben bis zu Klängen, sind nicht für Effizienz entstanden, sondern im Wettbewerb um Partner. Wer ein biologisches Merkmal als technisches Vorbild betrachtet, sollte deshalb zuerst fragen, wozu es überhaupt dient.
Von der Redaktion
Quellen
- Primärquelle: Darwin (1871): The Descent of Man, Project Gutenberg
- Huxley (1914): The Courtship-habits of the Great Crested Grebe. Proceedings of the Zoological Society of London. doi:10.1111/j.1469-7998.1914.tb07052.x
- Borgia (1985): Bower quality, number of decorations and mating success of male satin bowerbirds. Animal Behaviour 33. doi:10.1016/S0003-3472(85)80140-8
- Zahavi (1975): Mate selection, a selection for a handicap. Journal of Theoretical Biology 53, 205 bis 214. doi:10.1016/0022-5193(75)90111-3
Weiterlesen: Partnerwahl im Tierreich: Experimente und Widersprüche