Otto Lilienthal: mit Messungen vom Vogel zum Gleiter

Lilienthal ahmte Vögel nicht einfach nach. Er vermaß, was ihre Flügel leisten, und zog daraus Konstruktionsregeln.

Otto Lilienthal fliegt mit einem Gleiter
Lilienthal im Gleitflug. Aufnahme von Ottomar Anschütz. Foto: Ottomar Anschütz, Public domain (Nachweis).

Otto Lilienthal (1848 bis 1896) gilt als der erste Mensch, dem erfolgreiche und wiederholbare Flüge mit einem Gleitflugzeug gelangen. Heute sieht man an ihm gut, was Lernen von der Natur praktisch heißt: nicht die Form kopieren, sondern ihre Wirkung messen.

Vom Flügelschlag zur Wölbung

Schon 1867 und 1868 bauten Otto und sein Bruder Gustav in Anklam Versuchsgeräte, die durch Flügelschlag Auftrieb erzeugen sollten. Ab 1874 maßen die Brüder dann mit einem selbst entwickelten Rotationsapparat systematisch den Auftrieb an ebenen und gewölbten Flächen. Das zentrale Ergebnis: Gewölbte Flächen, wie sie am Flügelquerschnitt von Vögeln zu sehen sind, liefern mehr Auftrieb als ebene.

1889 fasste Lilienthal seine Arbeit in dem Buch Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst zusammen. Schon der Titel benennt das Programm. Der Text ist heute im Deutschen Textarchiv frei zugänglich.

Vom Buch in die Luft

Danach folgten eigene Flugversuche. Lilienthal baute im Laufe seines Lebens mindestens 21 Flugapparate, darunter auch Geräte mit Flügelschlag. Der sogenannte Normalsegelapparat ging 1894 in Serie. Die Steuerung erfolgte durch Verlagerung des Körpergewichts.

Am 9. August 1896 stürzte Lilienthal bei Stölln am Gollenberg aus etwa 15 Metern Höhe ab. Er starb am folgenden Tag in Berlin.

Was daran bionisch ist

Die heutige Bionik würde Lilienthals Vorgehen wiedererkennen: ein biologisches Vorbild, ein abstrahiertes Prinzip und eine eigenständige technische Umsetzung. Auch der Verzicht ist lehrreich. Seine erfolgreichen Geräte schlugen nicht mit den Flügeln. Sie übernahmen vom Vogel das, was sich technisch beherrschen ließ.

Von der Redaktion

Quellen

  1. Biografie und Flugapparate: Wikipedia, Otto Lilienthal
  2. Primärquelle: Lilienthal (1889): Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst, Deutsches Textarchiv

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