Partnerwahl im Tierreich: Experimente und Widersprüche

Weibchen wählen, Männchen werben: So einfach ist es nicht. Gerade die bekanntesten Beispiele sind umstrittener, als man denkt.

Pfau mit aufgestelltem Rad
Pfau mit aufgestellter Schleppe. Foto: Bernard Spragg. NZ from Christchurch, New Zealand, CC0 (Nachweis).

Dass Partnerwahl die Evolution prägt, lässt sich experimentell prüfen. Einer der klassischen Versuche stammt von Malte Andersson. 1982 veränderte er in Kenia die Schwanzlängen männlicher Hahnschweifwidas und berichtete in Nature: Weibliche Wahl begünstigt extrem lange Schwänze.

Der Fall Pfau

Das Pfauenrad ist das Standardbild der sexuellen Selektion. 1991 zeigten Petrie, Halliday und Sanders, dass Pfauenhennen Männchen mit aufwendigeren Schleppen bevorzugen. 2008 erschien eine Studie von Takahashi und Kollegen mit dem Titel, Pfauenhennen bevorzugten aufwendigere Schleppen gerade nicht. Dieser Befund wurde seinerseits von Loyau und Kollegen im selben Jahr in Frage gestellt. Solche Debatten sind normal. Sie zeigen, dass Ergebnisse von der Population und von der Messmethode abhängen können.

Wer investiert, wählt

Warum wählen häufig die Weibchen? Robert Trivers lieferte 1972 einen vielzitierten Rahmen: Das Geschlecht, das mehr in den Nachwuchs investiert, wird in der Regel wählerischer sein. Das ist keine Aussage über alle Arten. Wenn beide Eltern viel investieren, wie bei den Haubentauchern, verhalten sich oft auch beide wählerisch.

Riechen, was fehlt

Auch beim Menschen wurde eine biologische Spur untersucht. In einer Studie von Wedekind und Kollegen aus dem Jahr 1995 bewerteten Studentinnen getragene T-Shirts von Männern. Den Geruch von Männern, deren MHC-Gene, also Gene des Immunsystems, sich von ihren eigenen unterschieden, fanden sie angenehmer. Bei Frauen, die die Pille nahmen, kehrte sich der Effekt um. Das ist ein einzelner, viel diskutierter Befund an einer kleinen Stichprobe und kein Rezept. Wie sich die Partnersuche beim Menschen tatsächlich abspielt, ist Thema der Seite Partnersuche in der Forschung.

Von der Redaktion

Quellen

  1. Andersson (1982): Female choice selects for extreme tail length in a widowbird. Nature 299. doi:10.1038/299818a0
  2. Petrie, Halliday, Sanders (1991): Peahens prefer peacocks with elaborate trains. Animal Behaviour 41, 323 bis 331. doi:10.1016/s0003-3472(05)80484-1
  3. Takahashi et al. (2008): Peahens do not prefer peacocks with more elaborate trains. Animal Behaviour 75. doi:10.1016/j.anbehav.2007.10.004
  4. Loyau et al. (2008): Do peahens not prefer peacocks with more elaborate trains? Animal Behaviour 76. doi:10.1016/j.anbehav.2008.07.021
  5. Trivers (1972): Parental investment and sexual selection. In: Campbell (Hrsg.): Sexual Selection and the Descent of Man.
  6. Wedekind, Seebeck, Bettens, Paepke (1995): MHC-dependent mate preferences in humans. Proceedings of the Royal Society B. doi:10.1098/rspb.1995.0087

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